designforum Wien | Ausstellung Skin – Material Future | Eröffnung am 28. Juni 2012

Sitzmöbel aus Hackschnitzel oder Blech, frei formbare Wandelemente aus Schilf, biegsame Holzplatten oder mit Magnet- und Schwerkraft produzierte Hocker: durch neue Verfahren und Materialinnovationen eröffnen sich Designern und Architekten ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten. Diese aufzuzeigen sowie Entwickler und Gestalter unterschiedlicher Disziplinen zu vernetzen, hat sich die Plattform „SKIN – Future Materials“ zur Aufgabe gestellt. Mit der Ausstellung MATERIAL FUTURE präsentiert sie diesen Sommer im designforum Wien zukunftsweisende Projekte, die nur durch die enge Zusammenarbeit von Design und Innovation wirklich werden konnten. Sie ermöglicht so einen ersten Einblick in die Gestaltung von Morgen.

PLOPP-Sitzmöbel von Zieta Prozessdesign

Mit dem Verfahren „Freie Innen Druck Umformung“ (FiDU) entwickelt,können die PLOPP-Sitzmöbel von Zieta Prozessdesign ein Gewicht von über zwei Tonnen tragen – © Zieta Prozessdesign

SKIN: Materialinnovationen greifbar machen

„Die gestalterische Neu- und Weiterentwicklung von Produkten und Objekten, seien es Möbelstücke, Verpackungen oder ganze Gebäude, werden wesentlich bestimmt durch die Eigenschaften der verwendeten Materialien“, sagt Alexander Szadeczky, Geschäftsführer von Nofrontiere Design. „Leider wissen Designer oder Architekten zu wenig über Innovationen im Bereich Material- und Verfahrensforschung und -entwicklung. Den Produktentwicklern wiederum fehlt es an zündenden Ideen, wie sie ihre neuen Werkstoffe in nachgefragte Produkte verwandeln können“, so Szadeczky.

Genau an diesem Punkt setzt die Vernetzungs- und Kommunikationsplattform SKIN – Future Materials an, hinter der Nofrontiere Design als treibende Kraft steht. SKIN – Future Materials will die Innovationen der Materialforschung aufzeigen und die Menschen dahinter mit Designern, Architekten, Grafikern, Multimedia- und Textilspezialisten, sowie mit produzierenden Unternehmen, PR- und Marketingfachleuten zusammenführen. „SKIN soll ein Katalysator sein, der den Beteiligten hilft, aus neuen Materialien, Verfahren und Ideen marktfähige, unser aller Leben bereichernde Lösungen zu entwickeln“, erläutert Alexander Szadeczky.

Material Future: Ausstellung blickt in die Materialzukunft

Nach ihrer Premiere beim Designmonat Graz 2012 ist die von SKIN kuratierte und konzipierte Ausstellung MATERIAL FUTURE von 29. Juni bis 16. September 2012 im designforum Wien zu sehen. Zahlreiche Best Practice Beispiele aus nationalen und internationalen Werkstätten und Ateliers, Labors und Studios, geben Einblick in die weitreichenden Gestaltungspotentiale von Material- und Verfahrensinnovationen und zeigen auf, welche Optionen Designern und Architekten dank des gebündelten Know-hows aus Forschung, Materialentwicklung und Produktion schon heute offen stehen.

Nachhaltige Loungemöbel aus Fichtenhackschnitzeln und Baumrinde

Highlights der Schau sind u. a. die bereits Produkt gewordenen Materialinnovationen des mit SKIN kooperierenden Tiroler Start-Ups Organoid Technologies. Die Jungunternehmer Martin Jehart und Christoph Egger haben ein Verfahren entwickelt, das fein gemahlene, biogene Materialien (z. B. Gräser, Schilf, Biofasern, Holzabfälle etc.) zusammen mit natürlichem Bindemittel auf individuell gestaltbare Formen aufspritzt und mittels einer Ballon-Vakuumtechnik aushärten lässt. „Wir glauben daran, dass das Wohlbefinden und die Lebensqualität des Menschen in Arbeits- und Wohnräumen mittels ursprünglicher, organischer Formen und des Einsatzes von natürlichen Materialien bedeutend gesteigert werden kann“, sagen die beiden Pioniere der organischen Materialzukunft.

Das Sitzmöbel IOYO wurde von Organoid® Technologies und Nofrontiere gemeinsam entwickelt und besteht aus Fichtenhackschnitzeln und Baumrinde

Das Sitzmöbel IOYO wurde von Organoid® Technologies & Nofrontiere
gemeinsam entwickelt und besteht aus Fichtenhackschnitzeln und Baumrinde – © Nofrontiere

Anwendungsbeispiel ist der von Nofrontiere und Organoid Technologies im Rahmen von SKIN – Future Materials gemeinsam kreierte Pouf „IOYO“. IOYO ist ein Loungemöbel, das zeitgemäßes Design made in Vienna mit innovativer Fertigungstechnologie aus dem Tiroler Pitztal vereint. „IOYO“ besteht zu 100% aus „Walder Opa“, einer Mischung aus Fichtenhackschnitzeln und Baumrinde, die ihren klingenden Namen dem Großvater eines der Entwickler zu verdanken hat.

Magnetkraft, aufblasbares Blech oder mit der Umwelt interagierende Produktionsprozesse – Der IOYO ist nur eine von vielen, im Rahmen der Ausstellung SKIN – MATERIAL FUTURE präsentierten Designlösungen, die sich Innovationen der Materialentwicklung verdanken. Jólan van der Wiel, ein 26-jähriger Designer aus den Niederlanden, nutzt Schwerkraft und Magnetfelder für die individuelle Formgebung seiner „Gravity Stools“ aus Kunststoff. Wer hingegen auf dem „Flaxx Chair“ des Österreichers Martin Mostböck Platz nimmt, sitzt auf gepressten Flachsmatten und genießt die Eleganz eines frei schwingenden Sitzmöbels kombiniert mit vierbeiniger Sesselsicherheit.

Gravity stools © Jólan van der Wiel

Von der Designschmiede Zieta Prozessdesign stammt das Verfahren FiDU. Das Akronym steht für „Freie Innen Druck Umformung“: Zwei dünne, miteinander verschweißte Bleche werden mit Luft aufgeblasen und so in dreidimensionale, überaus stabile Objekte, verwandelt, die ein Gewicht von über zwei Tonnen tragen können. Im Rahmen der Ausstellung ist die die Sitzmöbelserie „PLOPP“ zu sehen.

Das Studio mischer’traxler hat Herstellungsverfahren für Objekte wie Körbe oder Lampenschirme entwickelt, bei denen die Produktionsmaschine mit Sonnenergie angetrieben wird und den Tagesverlauf in ein Produkt übersetzt („the idea of a tree“). In einem anderen Projekt reagiert die Maschine auf Personen, die ihr Aufmerksamkeit schenken und überträgt diese auf das Produkt („collective works“).

Ebenfalls zu sehen: Mit 3D-Druckverfahren hergestellte Schmuckstücke des niederländischen Studio Oooms, der an der Zürcher Hochschule für Künste entwickelte freiformbare Holzwerkstoff „dukta“ sowie Bakterien-Experimente von Sonja Bäumel (Wien/Amsterdam), die sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Design und Forschung abspielen und die Begriffe Bekleidung und Mode in Frage stellen.

Über SKIN – Future Materials

Die hinter der Ausstellung stehende und von Nofrontiere Design geleitete Projektgruppe „SKIN – Future Materials“ begreift sich als Think-Tank und Plattform zur Entwicklung und Kommunikation von Materialinnovationen. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, technische Innovationen verständlich und erlebbar zu machen sowie die oft ungeahnten Potentiale aus der Welt der Forschung für Design, Architektur und Wirtschaft aufzuzeigen. Zudem forciert SKIN die interdisziplinäre Vernetzung von AkteurInnen aus den genannten Bereichen, damit Know-how aus Wissenschaft und Forschung nachhaltig in den Produktentwicklungsprozess einfließen kann. „SKIN soll ein Katalysator sein, der Entwicklern und Designern dabei hilft, gemeinsam aus neuen Materialien, Verfahren und Ideen marktfähige Produkte zu entwickeln“, sagt SKIN-Initiator Alexander Szadeczky.

Kontaktdaten und ein Überblick über aktuelle Entwicklungsprojekte finden sich unter www.skin-futurematerials.com.

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