Daniele Buetti – garçon, l’addition!

Die Galerie Bernhard Knaus Fine Art in Frankfurt zeigt ab dem 31. August 2011 in einer Einzelausstellung neue Arbeiten des bekannten Schweizer Künstlers Daniele Buetti (*1955) aus der Werkserie “Oh boy, oh boy”, die der Künstler im Jahr 2008 begonnen hat.

Die Bilder dieser Serie erinnern in ihrer Erscheinung an die frühzeitliche Mosaikkunst und ihrer Flächigkeit und Farbigkeit an Glasfenster. Eine von Buetti bewusst gesetzte Assoziationsebene, die nicht nur an alte Bildwelten erinnern sondern auch von den Motiven her Assoziationen wecken sollen, zu Bildern, die sich in unserem kulturellen Gedächtnis festgesetzt haben.

Wie schon bei seinen früheren Arbeiten ist auch hier die Fotografie der Ausgangspunkt. Die als Vorlage verwendeten Bilder dokumentieren Begebenheiten von Terror, Kriegen und religiös motivierten unlösbaren Konflikten, deren Grausamkeit und das damit verursachte Leiden, Bestürzung hervorrufen. Meist erreichen uns und die Medien diese Bilder nur über private Aufnahmen und verschlungene Pfade. Der Künstler abstrahiert diese Bilder und löscht dadurch große Teile der Informationen aus. Durch die Darstellungsform und dem ihr zugrunde liegenden Charakter erhalten sie einen nahezu ikonenhaften Ausdruck.

Wie immer irritiert uns Buetti auch hier mit einem Sinn für bildästhetische Arrangements und einer vorgeblichen verführerischen Schönheit. In vielen Arbeitsschritten am Computer erfahren die Ausgangsmotive eine vielfache digitale Überarbeitung und werden so stark abstrahiert, so dass deren ursprünglicher Inhalt hinter der Ästhetik zu verschwinden scheint. Bildteile werden nach und nach herausgelöst und durch kleinere und größere Farbflächen ersetzt. Lediglich die Umrisse der zentralen, ebenfalls in kleinste Farbsegmente unterteilten Figuren und Strukturen bleiben ansatzweise erkennbar. Der Eingriff geht aber weiter. Buetti lässt die Umrisslinien mit einem Laser-Konturen-Schnitt ausfräsen, so dass eine mosaikartige Oberfläche entsteht.

Daniele Buetti – oh boy oh boy V

In den meisten Arbeiten sind mehrere Figuren zu erkennen. Ohne das Original sind die Szenen nicht wirklich eruierbar, es bleiben Andeutungen, Projektionsflächen für Motive, die wir aus anderen künstlerischen Darstellungen kennen. Nicht zuletzt weil in der Arbeit “Oh boy oh boy V” die eindeutig als Aufnahme des von amerikanischen Soldaten gequälten Gefangenen aus Abu Ghraib in Bagdad erkennbar bleibt, stellt sich beim Betrachter durch den Hinweis auf den nur zu erahnenden Ursprung der Motive bei allen Arbeiten der Serie eine Unsicherheit über das ein, was wir uns da gerade anschauen. Die Ambivalenz wird denn auch über den Titel der Serie spürbar verstärkt. In der deutschen Entsprechung des Werkgruppentitels “Junge, Junge!” als Ausruf der Verwunderung ist denn auch nicht so klar festlegbar ob dieser Ausspruch nun Ausdruck der Freude oder doch der Verzweiflung ist.

In den 1990er Jahren macht sich Daniele Buetti mit Verfremdungen und Überarbeitungen von Fotografien der Werbe- und Modewelt einen Namen, mit denen er gesellschaftliche Ideale von makelloser Schönheit und Identität stiftenden Konsumzwang durch das Verletzen der Oberfläche dieser Fotografien oder durch das Perforieren der Bilder konterkariert.

Auch in der neuen Werkreihe “oh boy oh boy” wird Daniele Buettis kritischer Ansatz erst auf den zweiten Blick erfassbar. Greuelbilder wie diese aus den Gefängnissen von Abu Ghraib und Guantánamo scheinen durch die Medien ihren Schrecken zu verlieren, da das ständige Herumzeigen sie auf den reinen Wert der Wiedererkennung reduziert hat.

Themenrelevante Artikel aus dem Design-Magazin