Poppig, poetisch und kurios: Große William N. Copley-Retrospektive im Museum Frieder Burda

Ob Streifen, Rauten, Karos oder Herzen, bei William N. Copley treibt der Geschlechterkampf vor bunten Mustern humorvolle Blüten. Hintersinnig setzt er seine Figuren vor ein opulentes Dekor. Noch bis zum 10. Juni 2012 präsentiert das Museum Frieder Burda eine umfassende Retrospektive des Amerikaners. Es werden über 80 Werke des Künstlers gezeigt. Copley (1919 – 1996) war als Galerist, Künstler, Schriftsteller und Verleger seit Mitte der 1940er Jahre ein wichtiger Vermittler zwischen den Surrealisten und der Pop-Art-Bewegung und gehörte zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der Kunstszene.

William N. Copley - West

William N. Copley, West, 1974, 160 x 276 cm, Acryl auf Leinwand
Museum Frieder Burda, Baden-Baden © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

In der Tradition von Dada, Surrealismus und amerikanischer Pop-Art setzt sich William N. Copley in seinen Bildern auf ironische Weise mit dem erotischen Spiel zwischen Mann und Frau in all seinen Facetten auseinander. Auf die Frage, ob er eine Theorie über die eigene Malerei habe, antwortete Copley in einem Interview 1968: “Nein, nur scheine ich dazu verdammt zu sein, die Tragödie von Mann und Frau zu erkunden. Das ist vermutlich chaplinesk.” Wie auch die großen Einzelausstellungen Polke, Richter und Baselitz, die im Museum Frieder Burda zu sehen waren, basiert diese Sonderausstellung auf dem Bestand der Sammlung Frieder Burda. Schon früh sammelte Frieder Burda Arbeiten von Copley und besitzt inzwischen einen großen Werkkomplex, der erstmals in seiner Gesamtheit gezeigt wird. Ergänzt wird dieser Bestand um internationale Leihgaben und Arbeiten aus dem Nachlass des Künstlers, von denen viele erstmals öffentlich zu sehen sein werden.

William N. Copley - Nuit puerto ricain

William N. Copley, Nuit puerto ricain, 1978, Acryl und Leder auf Leinwand, 168 x 140 cm
Museum Frieder Burda, Baden-Baden © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

William N. Copleys Leben verlief alles andere als geradlinig: Copleys Eltern sind früh ums Leben gekommen, er selbst wurde 1919 auf der Schwelle eines New Yorker Hospizes gefunden. Zwei Jahre später wurde er von Ira und Edith Copley, wohlhabenden Zeitungsverlegern aus Illinois, adoptiert. Von 1932 bis 1936 besuchte Copley die Phillips Academy in Andover, Massachusetts, danach studierte Copley zwei Jahre an der Yale University. 1940 trat er in die US-Armee ein, ging als Soldat nach Italien und Afrika, kehrte als Reporter in die Heimat zurück und begeisterte sich für den Surrealismus. 1947 begann der Autodidakt zu malen, zuerst lediglich um seine schriftlichen Fähigkeiten zu verbessern, denn er wollte Autor werden.

William N. Copley -  Kiss me

William N. Copley, Kiss me, 1965, Öl auf Leinwand, 99 x 81 cm
Museum Frieder Burda, Baden-Baden © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Ein Dichter, so Copley, müsse visuell arbeiten und ein Maler poetisch. Aus seinem Namen strich er die klangvollen Vokale, machte das unaussprechliche CPLY zum Markenzeichen und signierte damit seine Bilder.

In Los Angeles gründete er eine Kunst-Galerie, um die Surrealisten bekannt zu machen, doch ohne finanziellen Erfolg. Copley kaufte im Laufe der Jahre zunehmend selbst die in seiner Galerie ausgestellten Werke und legte damit den Grundstein seiner Kunstsammlung, die sich zu einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen surrealistischer Kunst entwickelte, mit Werken von Marcel Duchamp, Man Ray, Max Ernst, René Magritte und Yves Tanguy.

Der ungestüme Freigeist reiste viel: Seit 1951 in Paris war er mit Man Ray, Marcel Duchamp, Max Ernst und René Magritte befreundet, bevor er zehn Jahre später nach Amerika zurückkehrte, um in die New Yorker Kunstszene einzutauchen. Er pflegte Kontakt zu Christo, Roy Lichtenstein und später auch Andy Warhol.

Götz Adriani kuratiert diese umfassende William N. Copley-Retrospektive

Diese umfangreiche Retrospektive, die vor allem auch durch eine Serie von Aquarellen, die bisher noch nie öffentlich gezeigt wurde, ein neues Licht auf die vielen Facetten des Künstlers wirft, wird von Götz Adriani kuratiert.

Adriani beschreibt Copley folgendermaßen: “Der Minimalist mit barocken Zügen hat ein Künstlerleben lang nicht nur seinen kuriosen Sujets, sondern auch einer raffiniert gesteuerten Kunstlosigkeit die Treue gehalten. Meist beließ er es bei schlagkräftigen Bildpointen und einer eher grafischen Vorgehensweise. Aus der Kombination der inhaltlichen Standards mit stark abstrahierenden Kürzeln gelang ihm eine bemerkenswerte kompositionelle und koloristische Vielfalt.”

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Copley eher abgeschieden. Er malte im Wohnzimmer seines Bungalows und schipperte in einem Boot herum. 1996 starb er im Alter von 77 Jahren. Geblieben ist sein Werk: eine scharfsinnige, unterhaltsame Abbildung der Anziehungskraft zwischen Männern und Frauen.

Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog mit Texten von Götz Adriani, Georg Baselitz, Billy Copley, Judith Irrgang, Man Ray, Andy Warhol sowie einer Vielzahl bisher unveröffentlichter Aufsätze William Copleys. Kehrer Verlag Heidelberg – Berlin, 256 Seiten, 180 Abbildungen, Sonderpreis im Museum: 29 Euro.

Quelle: museum-frieder-burda.de

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